VIDEOPRÄSENTATION AUF 12 MONITOREN
im Korridor – Raum für aktuelle Kunst_sidewalk*
Adresse: Korridor – Raum für aktuelle Kunst, Hertha-Firnberg-Straße 10, 1100 Wien (Google maps: Korridor – Raum für aktuelle Kunst)
Mittwoch, 21. Mai 2025, 19.00 Uhr
Die Präsentation konnte nach Vereinbarung vom 22.–24. Mai 2025 besichtigt werden.
Kuratorin: Petra Noll-Hammerstiel
Aus der Vernissagenrede, Petra Noll-H.
(...) Die Präsentation cosmic signalisiert eine visionäre Stimmung, etwas Außerirdisches, Großes, nicht Greifbares. Die Videos, die hier auf 12 Monitoren im Loop präsentiert werden stammen alle aus den letzten drei Jahren, es sind extrem kurze Bild- und Klangfolgen; diese bilden jeweils – als Endlosschleife zusammengefügt und überblendet, die Bausteine eines größeren Video-Loops. Animationen sind oft mit realen Bildern kombiniert.
Die Situationen in den Bildern entstehen oft durch den Austausch oder die Überblendung von zwei kontrastierenden Szenen. Szenen, die in der realen Welt nichts miteinander zu tun haben. Die surreale Methode der Bildauswahl, -bearbeitung, -montage und -kombination sowie die Überschneidungen und die Bewegung von Objekten schaffen rätselhafte, geheimnisvolle und sogar bedrohliche Situationen.
Dazu kommt der selbstkomponierte, eindringliche Sound, der hier 12 x frei in den Raum gesendet wird und damit wiederum die typische Geräuschüberflutung der heutigen Zeit signalisiert. Der Sound der Videos bildet eine gleichwertige Synthese zum visuellen Material. Sowohl Ton als auch Bild können Auslöser für die künstlerische Idee sein. Der Sound besteht jeweils aus Geräuschen, unvollständigen Wortgebilden, Stimmengewirr, und elektronischen Klängen. Es sind rätselhafte, surreale, die Sinne stimulierende Welten zwischen Sein und Schein, eine Reise ins Unendliche, ohne Anfang und Ende.
Walter Mirtl interessiert das Genre Science-Fiction und darauf basierend das Erforschen und Ausloten des Vorstellbaren, das Überschreiten der Grenzen des Denkbaren, immer aber auch die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Fehlverhalten im Streben nach Fortschritt, wie etwa bei Stanisław Lem, Ukraine in seinem letzten Roman „Fiasko“, 2000.
Walter Mirtl möchte keine eindeutigen Geschichten erzählen, vielmehr Zustände und Ereignisse schildern, mit denen er Sinneseindrücke stimulieren möchte. So bleiben auch die Titel bedeutungsoffen, obwohl meist Stimulationen aus dem Alltag dahinterstehen.
Fünf Videos sind in einer Reihe präsentiert: Das erste Video poll morph ist durch eine zeitlich gedehnte Überblendung von Standbildern eines roten, gefalteten Stoffes entstanden, wobei die Bildgenerierung dem Zufall überlassen wurde, begleitet von einem leisen Plätschern. Das zweite heißt darkstar, das Motiv der Einladungskarte. Hier schwebt ein futuristisches, türkis leuchtendes Objekt bedrohlich vor einem geheimnisvollen Hintergrund, vor und zurück, immer an derselben Stelle, es gibt kein Fortkommen. Es folgt Dystopia, eine Hommage an den dystopisch-futuristischen SW-Stummfilm „Metropolis“ von Fritz Lang von 1927. Ein undefinierbares Teil klappt, begleitet von einem klackenden Sound auf und zu. Die Grafik im vierten Video science erinnert an einen Teilchenbeschleuniger aus einem Kernforschungszentrum. Man wird förmlich hineingesaugt in ein maschinelles Inneres, kontrastiert mit organischen Formen. Unverständliche Stimmen sind zu hören. In r)px (5) sehen wir ein nicht definierbares Objekt; während der schnellen Bildfolge wird es völlig anders wahrgenommen als im Stillstand. Eine Art Klingeln begleitet die Bewegung.
Zwei weitere Videos sind im Duo gehängt. Das Video reishi trägt den Namen des Pilzes des „ewigen Lebens“. Die grafische Gestaltung assoziiert Pilzgeflechte. Stimmen sind im Hintergrund zu hören, ein maschineller Sound. Der Titel des Videos Cornucopia bedeutet (lat.) Füllhorn, wir werden mit Wasser überschüttet, ein gewaltiges psychisches und physisches Gefühl, dazu ein enger Korridor und ein ängstlich-bedrohlicher Sound.
Das Gebilde im einzeln präsentierten Video cosmic könnte ein Raumschiff auf dem Weg in die Galaxien sein, wenn wir überhaupt wissen, wie ein solches Gefährt aussieht. Dieses hier ist leuchtend blau, hochästhetisch, bedrohlich, begleitet von sphärischen Klängen.
Die als Viererblock gehängte Arbeit C0004 besteht aus vier gleich langen Teilen (0:12 Min.) und wird auf vier gleichen Monitoren verteilt gezeigt. Ein roter Körper, begleitet von einem schrillen, fast schmerzhaften Tinnitus-ähnlichen Sound. C0004 steht für einen Compiler-Error – es könnte aber auch etwas ganz anderes bedeuten. Dies bleibt bewusst offen, wie vieles in der Ausstellung.
Kurzbio: WALTER MIRTL: *1959 in Horn (AT), lebt und arbeitet dort. 1985–2001 Mitarbeit und kuratorische Tätigkeit in der FOTOGALERIE WIEN. 2000 Übersiedlung nach Brüssel (BE). Seit 2009 entstehen neben künstlerischen Arbeiten (Fotografie, Video und Sound) auch szenografische Videoarbeiten für Theaterproduktionen sowie Musikvideos. Seit 2020 wieder in Österreich. Zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland. Zuletzt 2021 Teilnahme an der Gruppenausstellung „Zukunftsmusik“ in der FOTOGALERIE WIEN.
* Dies ist die zweite Präsentation im Korridor_sidewalk, einem neuen Format, wo in loser Folge Künstler:innen in den unterschiedlichsten Medien eine eintägige Veranstaltung präsentieren.
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Bildunterschriften, li. Spalte:
Video Loops & Sound: Walter Mirtl
darkstar, 2023, Still aus Video, 1:53 Min.
dystopia, 2024, Still aus Video, 0:12 Min.
cosmic, 2024, 0:12 Min., Still aus Video, 0:12 Min.
C0004–A, 2024, Still aus Video, 0:12 Min.
poll morph, 2023, Still aus Video, 1:28 Min
rechte Spalte:
science, 2023, Still aus Video, 0:04 Min.
Ausstellungsansicht Videoreihe, li. nach re.: poll morph, darkstar, Dystopia, science, r)px
Ausstellungsansicht, C0004 A–D, 2023, Stills aus 4 Videos, je 0:12 Min.
Ausstellungsansicht, li.: Cornucopia, 2025, Still aus Video, 0:11 (0:44 Min.); re.: reishi, 2025, Still aus Video, 1:03 Min.
Ausstellungsansicht